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"phoenix persönlich": Migrationsforscherin Prof. Naika Foroutan zu Gast bei Theo Koll - Freitag, 17.05.2024, 18 Uhr

16.05.2024 - Politik (Gesellschaft, Hochschule, Fernsehen, Migration, TV-Ausblick)

Bonn (ots) -

In der Sendung "phoenix persönlich" spricht Theo Koll mit Naika Foroutan, Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität Berlin, über die viel kritisierte Erklärung zu den propalästinensischen Protest-Camps, Antisemitismus an den Hochschulen, über Migration und darüber, wie die AfD um migrantische Wähler wirbt.

"Wenn wir heute Zeit hätten, den Brief neu zu formulieren, dann würden wir selbstverständlich mit dem Überfall der Hamas beginnen", räumt die HU-Professorin Naika Foroutan mit Blick auf den öffentlichen Brief selbstkritisch ein. In diesem Brief hatten Hochschullehrerinnen und -lehrer u.a. die polizeiliche Räumung eines pro-palästinensischen Protestcamps an der FU kritisiert. Diese Stellungnahme hatte Empörung und scharfe Kritik ausgelöst, u.a. weil sie als einseitig empfunden wurde und weil bei den FU-Protesten auch antisemitische Parolen geäußert wurden.

Der "erste Impuls" sei gewesen, "sich vor die Studierenden zu stellen", so Foroutan, "wir sind für Studierende mit zuständig". Und das Gefühl, dass sie mit Polizeigriffen vom Campus geführt würden, sei kein schönes. "In einer besseren Welt würde man die Möglichkeit haben, deeskalierend einzugreifen und Diskussionsräume zu eröffnen und zu sagen: Das ist antisemitisch, das hat keinen Platz auf dem Campus."

Nach dem 7. Oktober habe man das Thema Nahost fälschlicherweise "ausgeklammert", sagt Foroutan. "Wir haben versucht, das ganze Thema nicht in unsere Lehrräume zu holen, weil wir es als zu toxisch empfunden haben. Und diese Stille, die wir erzeugt haben, hat einen Druck erzeugt, von dem wir schon in der Woche vorher gemerkt haben, besonders nach den großen Campus-Protesten weltweit, dass das auch bei uns ankommen kann."

In den vergangenen Jahren habe man vor allem versucht, die Universitäten zu "safe spaces" zu machen, wo sehr auf Sprache und auf "Verletzungen geachtet" wurde, so Foroutan. "Und jetzt kann man uns vorwerfen, warum achtet ihr dann nicht auf die Verletzungen der jüdischen Studierenden und das ist in der Tat ein großer Vorwurf". Foroutan verweist auch darauf, dass jüdische Studierende "keine homogene Gruppe" seien und "aus unterschiedlichen Positionen heraus eine Stellung zu diesem Konflikt" hätten. Das Gleiche gelte auch für die muslimischen Studierenden.

Mit Blick auf das Thema Migration erklärt Foroutan, dass Deutschland sich im letzten Jahrzehnt zu einem der "dynamischsten Migrationsakteure weltweit positioniert" habe."Das ist eine sehr neue Position für dieses Land im internationalen Gefüge. Deutschland steht an zweiter Stelle hinter den USA, was die absolute Zahl der Eingewanderten angeht." Gleichwohl würde Deutschland aktuell mit anderen Industrienationen um qualifizierte, aber auch um unqualifizierte Arbeitnehmer konkurrieren.

Das politische Potential migrantischer Wähler habe vor allem die AfD erkannt und würde diese über das Videoportal TikTok ansprechen, so Migrationsforscherin Foroutan. Als Beispiel nennt sie ein Video von Maximilian Krah, Spitzenkandidat für das Europaparlament, das "innerhalb der türkeistämmigen communities viral gegangen" sei und in dem er bei der "teilweise sehr konservativen migrantischen Bevölkerung" zu punkten versuchte, indem er gegen die Gender-Thematik Stellung bezog.

Quelle: www.presseportal.de

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