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(Korrigierte Fassung der Meldung vom 30.04.2024 06:00 / rbb24 Recherche exklusiv: Über 51.000 minderjährige Geflüchtete in ganz Europa vermisst)

30.04.2024 - Soziales (Jugendliche, Kinder, Europa, Flüchtlinge, Soziales)

Berlin (ots) -

Korrrigiert wurden im zweiten Absatz: 18.292 Geflüchtete vermisst sowie nur 15 vergleichbare Daten.

Es folgt die korrigierte Meldung:

Europaweit werden derzeit 51.433 unbegleitete Kinder und Jugendliche vermisst, nachdem sie sich in staatlicher Obhut befanden.

Das ergibt eine exklusive Datenrecherche des internationalen Journalistennetzwerks Lost in Europe, zu dem auch rbb24 Recherche gehört. Bis heute haben die Behörden keine Kenntnisse über ihren Verbleib. In Deutschland werden nach Angaben des BKA noch 2005 minderjährige Geflüchtete gesucht (davon 61 in Berlin und 72 in Brandenburg). Die Anzahl vermisster Kinder und Jugendlicher hat sich seit der letzten Datenrecherche im Jahr 2021 mehr als verdoppelt: damals wurden europaweit 18.292 Geflüchtete vermisst, in Deutschland waren es 792.

Die europaweite Analyse offenbart eklatante Unterschiede der nationalen Statistiken: von 31 angefragten europäischen Ländern erheben nur 15 vergleichbare Daten. Während einige Länder wie Italien und Österreich mit jeweils über 20.000 verschwundenen Kindern und Jugendliche besonders hohe Zahlen melden, sammeln andere wie z.B. Spanien oder Griechenland gar keine Informationen über unbegleitete Kinder und Jugendliche. Die für Migration zuständige EU-Kommissarin für Inneres, Ylva Johansson, spricht deshalb im Exklusiv-Interview mit rbb24 Recherche von einem "kaputten Migrationssystem" in Europa: "Ich kann die Zahlen nicht bestätigen, aber ich kann bestätigen, dass wir ein kaputtes Migrationssystem haben". Auch warnt sie davor, dass gerade "unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Opfer von Menschenhändlern werden, wenn sich diese Minderjährigen bereits in der EU befinden".

Auch in Deutschland haben die zuständigen Behörden teilweise keinen Überblick darüber, wie viele junge Geflüchtete verschwinden und warum. So gibt die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf Anfrage von rbb24 Recherche an, die entsprechenden Zahlen nicht zu kennen. In Deutschland seien die Strukturen derzeit sehr überlastet, sagt Helen Sundermeyer vom Bundesverband für unbegleitete minderjährige Geflüchtete (BumF): "Gerade am Beginn oder nach der Ankunft der jungen Menschen im Rahmen der Inobhutnahme und des Verteilverfahrens beobachten wir, dass das der Zeitpunkt ist, wo die meisten jungen Menschen als vermisst gemeldet werden." Fachleute warnen davor, dass gerade diese Gruppe besonderen Risiken ausgesetzt sei. "Es kann sein, dass sie kriminellen Organisationen in die Hände fallen, dass sie ausgebeutet werden, sexuellen Missbrauch erfahren. Solche Fälle kennen wir. Davor müssen wir die Kinder schützen", sagt Theresa Keil vom Deutschen Kinderhilfswerk.

Im Mai soll der EU-Migrationspakt verabschiedet werden, der sowohl Gesetzesvorschläge für eine bessere Registrierung von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten als auch europaweite Vorgaben zur Vermittlung von Betreuungspersonen enthält.

Bei der Recherche haben unter anderem der belgische "De Standaard", die niederländische Tageszeitung "NRC", die italienische Nachrichtenagentur ANSA und der rbb zusammengearbeitet.

Quelle: www.presseportal.de

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