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Buchneuerscheinung »Gefangen in Mauthausen«: Vom Leben und Überleben in KZ-Haft

02.05.2024 - Politik (Politik, Wissenschaft, Menschenrechte)

Wien (ots) -

Band drei der vierteiligen Buchreihe »Europa in Mauthausen« zeigt Erinnerungs- und Erfahrungsberichte von 859 Überlebenden aus dem Lagerkomplex Mauthausen.

Die Buchreihe »Europa in Mauthausen« ist eines der größten Forschungsprojekte, das jemals über ein einziges Konzentrationslager (KZ) durchgeführt wurde. Der neue dritte Band schildert in Interviews mit 859 Überlebenden den Alltag der Häftlinge im KZ und ihre Versuche, unter grausamsten Bedingungen zu überleben. Die Buchpräsentation findet am 22. Mai um 18:30 Uhr in der Fachbereichsbibliothek des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Wien statt.

„Die Befreiung des KZ Mauthausen am 5. Mai 1945 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte. Der neue Band »Gefangen in Mauthausen« ist nicht nur eine historische Dokumentation, sondern auch eine eindringliche Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes“, so Alexander Prenninger, Mitherausgeber und Senior Researcher am Ludwig Boltzmann Institute for Digital History (LBIDH).

„Es ist unsere Verantwortung, ihre Geschichten zu erzählen und sicherzustellen, dass die Grausamkeiten, die sie erlebt haben, niemals vergessen werden.“

Eines der größten Forschungsprojekte, das je über ein einziges KZ durchgeführt wurde

Die Buchreihe »Europa in Mauthausen«, erschienen im Böhlau Verlag, ist eine umfassende Geschichte der Überlebenden des Konzentrationslagers Mauthausen, deren vier Bände ineinandergreifen und die Ergebnisse des internationalen und interdisziplinären Mauthausen Survivors Research Project (MSRP) präsentieren. Herausgeber:innen sind Gerhard Botz, Alexander Prenninger, Regina Fritz und Heinrich Berger.

Das Projekt wurde am ehemaligen Ludwig Boltzmann Institut für Historische Sozialwissenschaft, und von dessen Direktor Gerhard Botz durchgeführt und die Publikation der Ergebnisse am Ludwig Boltzmann Institute for Digital History (LBIDH) fortgesetzt. Mehr als 60 international arbeitende Oral-History-Expert:innen und Sozial- und Kulturwissenschafter:innen aus Europa, den USA und Israel haben in diesem langjährigen Forschungsunternehmen mitgearbeitet. Gefördert wurde das Forschungsprojekt, nach internationalen Begutachtungen, unter anderem vom österreichischen Innenministerium, vom Zukunftsfonds, vom Nationalfonds und vom Wissenschaftsfonds (FWF).

Die Forschungsergebnisse beruhen auf 859 Audio- und Video-Interviews mit den letzten noch lebenden ehemaligen Mauthausen-Häftlingen in Europa, Amerika und Israel. Die Interviews in 16 verschiedenen Sprachen wurden teilweise transkribiert und ins Deutsche übersetzt und werden im Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen aufbewahrt.

Band drei: Der Überlebenskampf im KZ

Während sich der erste Band »Mauthausen und die nationalsozialistische Expansions- und Verfolgungspolitik« auf die Einführung und der Darlegung der methodischen Zugänge sowie die Rolle eines KZs wie Mauthausen im NS-Regime konzentriert, stehen im zweiten Band »Deportiert nach Mauthausen« die Schicksale der Häftlinge, ihre Deportationen und Verlegungen innerhalb des NS-Lagersystems im Fokus.

Der nun 2024 erschienene dritte Band der Buchreihe »Gefangen in Mauthausen« gibt einen Einblick in den unvorstellbaren Alltag der Häftlinge im KZ Mauthausen, und seiner über 40 Außenlager. Ihr Kampf um Leben und Tod hing stark davon ab, in welche rassistischen, nationalen, politischen oder beruflichen Kategorien sie von der SS eingeordnet wurden und unter welchen Bedingungen und zu welchem Zeitpunkt sie in das KZ eingeliefert wurden. Trotz des Terrorsystems der SS gelang es einigen Häftlingen, Lücken im KZ-System als Chance zum Überleben zu nutzen. In 21 Beiträgen legen international ausgewiesene Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschafter:innen eine Neueinschätzung der Lebenswelten der Häftlinge vor und zeigen, wie vielfältig die "Häftlingsgesellschaft" gewesen ist.

Buchpräsentation am 22. Mai am Institut für Zeitgeschichte an der Uni Wien

»Gefangen in Mauthausen« wird am 22. Mai im Rahmen einer Buchpräsentation in der Fachbereichsbibliothek des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Wien vorgestellt. Die Veranstaltung beginnt um 18:30 Uhr ist frei zugänglich und benötigt keine Anmeldung.

Band vier erscheint 2025

Der vierte und letzte Band widmet sich der Frage, welche Bedeutung die Zeit der Verfolgung, insbesondere die Haft in Mauthausen, für das Leben der Überlebenden nach 1945 hatte. Es wird untersucht, welche Lebenswege sie nach der Befreiung einschlugen, unter welchen Bedingungen sie über ihre Erfahrungen sprechen konnten – oder auch nicht – und welche Rolle Mauthausen in verschiedenen Erinnerungsgemeinschaften spielte. Der vierte Band erscheint voraussichtlich Anfang 2025.

Alle Bände der Buchreihe sind ab 45 Euro im ausgewählten Buchhandel erhältlich und können auch als Open Access E-Book in der Vandenhoeck & Ruprecht eLibrary heruntergeladen werden.

Quelle: www.presseportal.de

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